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Ortenau Klinikum Wolfach bringt Präventionsprojekt auf den Weg

Mitteilung Wolfach

Gefahr unerwarteter Verwirrtheitszustände von Patienten durch strukturiertes Management frühzeitig erkennen.

Der 75-jährige berentete Abteilungsleiter einer großen Firma ist nach einem chirurgischen Eingriff verwirrt, weiß nicht wo er sich befindet und wie spät es ist. Er hält sich nicht an die notwendige Bettruhe und versucht immer wieder ohne zu klingeln aufzustehen. Seine Ehefrau, die im Anschluss an die Operation bei ihm ist, erkennt er nicht. Die Frau ist völlig außer sich, sie hat ihren Mann so noch nie erlebt und ist in größter Sorge. Er sei zwar etwas vergesslich, könne sonst aber alle Dinge des alltäglichen Lebens selbst erledigen und sei kaum auf Unterstützung angewiesen.
 
Unerwartete Verwirrtheitszustände wie die des 75-jährigen Rentners werden in der Fachsprache als Delir bezeichnet. „Jedes Delir kann eine vorbestehende Demenz verschlechtern“, sagt Dirk Konnegen, Projektleiter bei der Gesundes Kinzigtal GmbH in Haslach. „Die Pflegebedürftigkeit kann sich dadurch merklich erhöhen und eine Aufnahme im Pflegeheim erforderlich machen“, ergänzt Marco Porta, Pflegedirektor am Ortenau Klinikum Wolfach. Gemeinsam haben sie das Präventionsprojekt auf den Weg gebracht. Unterstützung erhalten sie dabei von Dr. Wolfgang Hasemann, Leiter des Demenz-Delir-Programms am Universitätsspital in Basel. Dr. Hasemann ist Pflegefachkraft, hat das Masterstudium Pflegewissenschaft absolviert und ein Studium an der Glasgow Caledonian University erfolgreich abgeschlossen. Er bringt seine jahrelange Erfahrung zum Thema Delir in das Projekt ein.
 
Auslöser für ein Delir können neben einer Reihe von Stressfaktoren so triviale Dinge wie ein unerkannter Infekt, Schmerzen, eine Medikamentenunverträglichkeit oder auch Harn- oder Stuhldrang sein. Oberstes Ziel ist es deshalb, gefährdete Patienten durch ein strukturiertes Verfahren bereits im Vorfeld, beispielsweise vor einer Operation, zu identifizieren. Möglich wird dies durch verschiedene diagnostische Verfahren, welche die Pflegekräfte mit dem Patienten durchführen. Ist ein gefährdeter Patient identifiziert, können durch ein abgestimmtes Vorgehen von Ärzten und Pflegefachkräften Risikofaktoren minimiert und somit die Gefahr eines drohenden Delirs gesenkt werden.
 
In den kommenden Monaten bereitet sich das Ortenau Klinikum Wolfach nun mit einer Projektgruppe auf die Einführung des Delirmanagements vor. Mitarbeiter sollen im Umgang mit den verschiedenen diagnostischen Verfahren geschult und der Behandlungspfad der Patienten entsprechend angepasst werden. Die Aufklärung der Patienten und deren Angehörigen ist dabei auch ein wesentlicher Schritt zur Prävention.
 
„Dieses gemeinsame Projekt von Ortenau Klinikum Wolfach und Gesundes Kinzigtal zeigt, dass Prävention ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit ist“ sagt Dirk Konnegen und freut sich, dass das Thema auch bereits an anderen Standorten des Ortenau Klinikums Beachtung findet.